Franken sind nette Autofahrer

In einer fremden Großstadt Auto zu fahren ist nicht jedermanns Sache. Navigationsgerät hin oder her – keine Technik kann das Gefühl sich irgendwo auszukennen ersetzen. So geht es mir jedenfalls. Die ersten Fahrten durch die Nürnberger City - damals noch mit meinem uralten Mercedes 190 E –  waren schon herzschlagbeschleunigend. Vor allem der Plärrer, ein teilweise sechsspuriger Verteiler inklusive Hauptumschlagsplatz für den öffentlichen Nahverkehr, bereitet so manchem Neuling einen kleinen Herzinfarkt, mindestens jedoch heftige Schweißausbrüche. Und das sage ich als jemand, der aus dem größten Ballungsgebiet Deutschlands kommt.

Aber so schlimm ist das gar nicht. Denn Autofahren in Nürnberg bietet einen entscheidenden Vorteil: Nürnberger Autofahrer gehören meiner Meinung nach zu den rücksichtsvollsten ihrer Art. Steht man auf ner falschen Spur? Kein Problem, denn hier klappt das mit dem Blinkersetzen und Spur wechseln, denn die Leute machen einem ohne zu Murren Platz. Oder wenn ich morgens verzweifelt versuche, mich von einer Seitenstraße kommend in den Verkehr auf der überfüllten Hauptstraße einzufädeln, lässt man mir einfach die Vorfahrt. Und das praktisch jeden Tag! Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, aber die kommen dann meistens aus Roth oder Fürth.

Für mich bedeutet das auf der täglichen Fahrt ins Büro einen Unterschied wie Tag und Nacht im Vergleich zu den Zeiten vor meinem Umzug. Zu gut habe ich noch den permanenten Krieg auf Düsseldorfs Straßen in Erinnerung. Wer dort nicht mindestens zweimal pro Minute auf die Hupe haut, verliert sein Aufenthaltsrecht. So scheint ein ungeschriebenes Gesetz in der Hauptstadt der Geldproleten zu lauten.

Eine Hupe hört man in Franken nur selten, obwohl das Verkehrsaufkommen in Nürnberg enorm ist. Eine klare Steigerung des Lebenskomforts, finde ich! Daumen hoch!

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Eine Antwort auf Franken sind nette Autofahrer

  1. Zebra-Fan sagt:

    Liebes Zebra,
    Deinen Erfahrungen stimme ich zu. Die Nürnberger Autofahrer sind nach meiner Beobachtung nicht nur rücksichtsvoll, sondern auch erfinderisch und pragmatisch. So konnte ich erleben, wie vor einer Nürnberger Bäckerei – entgegen dem parallel zur Fahrbahn eingerichteten und ausgeschilderten Parkstreifen, der so nur für 3 Autos reicht, ausnahmslos alle anfahrenden Kunden ihre Fahrzeuge dort in Fischgrätenanordnung schräg auf den Parkstreifen und den ersten Teil des Bürgersteigs gestellt haben und so die Zahl der Parkmöglichkeiten deutlich vergrößert haben.
    Für das Ein- und Ausparken mußte der vorbeifahrende Verkehr warten, was ohne Aufregung und ohne das mir aus dem Ruhrgebiet vertraute Hupkonzert wunderbar funktionierte. Ich war davon so überrascht, dass ich mir das Geschehen längere Zeit angesehen habe.
    Zuvor hatte ich ebenfalls vor der Bäckerei geparkt – so wie es vorgeschrieben war: parallel zur Fahrbahn. Ich wußte es zunächst ja nicht besser. Obwohl ich dadurch einige zusätzliche, offenbar dringend benötigte Parkmöglichkeiten in Beschlag genommen hatte, hat sich niemand aufgeregt oder mich gar bedroht. So ist Nürnberg. Aber wie ist die Rechtslage?